Volle Straße ohne Stau

Juni 2020 „Freie Fahrt für freies Spielen“ lautete am Sonntagnachmittag das Motto in der Wassertorstraße. Von 13 bis 19 Uhr wurde die Straße auf dem Abschnitt zwischen Prinzen- und Lobeckstraße für den Autoverkehr gesperrt. Kinder konnten auf der Straße nach Lust und Laune miteinander spielen, toben und sich körperlich betätigen. Ob Hüpf- oder Ballspiele, malen, ein wenig gärtnern oder der eine oder andere Geschicklichkeitstest - für alle war etwas Passendes dabei.

„Hier in der Wassertorstraße haben wir die glückliche Situation, dass wir eine große Anzahl an Freiwilligen für die Aktion haben", berichtet Jan Evertz, der im Wassertorkiez die ehrenamtliche Funktion als Kiezkapitän für die temporäre Spielstraße wahrnimmt. Im Auftrag des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg koordiniert er Verantwortlichkeiten und Angebote.

Neben den Ehrenamtlichen sind in der Wassertorstraße das MehrGenerationenHaus und die Flüchtlingskirche als Partner und unmittelbare Anlieger mit im Boot. Über deren Netzwerke können weitere Ehrenamtliche eingebunden werden – dank einer ehrenamtlichen Helferin konnte so am Sonntag auch die große Malleinwand aus dem MehrGenerationenHaus auf die Straße geholt und betreut werden. Über die Flüchtlingskirche und Berlin Mondiale, Kulturnetzwerk Neukölln e.V., beteiligten sich die Gemeinschaftsgarteninitiative imgarten.org und Zirkus Cabuwazi mit Angeboten für Kinder. Ebenso durfte das über den Netzwerkfond geförderte Projekt „Kreuzberg kickt“ nicht fehlen.

„Ich bin wirklich überrascht, wie stark die Nachbarschaft und die Freiwilligen die Aktion mittragen und wie viele Familien und Kinder die Angebote annehmen“, fährt Jan Evertz fort.

Die Wassertorstraße im QM-Gebiet Wassertorplatz ist eine von 18 Straßen, auf denen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg momentan jeden Sonntagnachmittag eine temporäre Spielstraße eingerichtet wird. Geboren wurde die Idee in einem Kreis von wissenschaftlichen Vertreter*innen, der Kampagnenorganisation Changing Cities e.V. und der Bezirkspolitik um Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann, Bezirksstadtrat Florian Schmidt und dem Straßen- und Grünflächenamtsleiter Felix Weisbrich als treibenden Kräften auf Seiten der Verwaltung. Ein wichtiger Hintergrund dafür war, dass das häusliche Umfeld und der öffentliche Raum vor dem Haus für Kinder und Familien während der Coronazeit immer bedeutender wurden. Der Straßenraum eignet sich in dicht bebauten Wohngebieten gut als Ort für Bewegung, Freizeit und Zeitvertreib. Um klimapolitische Ziele zu erreichen, ist es wichtig, den Autoverkehr zu reduzieren bzw. umweltfreundlicher zu gestalten. Nicht selten erzielen kleine Anreize große Wirkungen. Seit Mitte Mai finden die temporären Spielstraßen jeden Sonntag in Friedrichshain-Kreuzberg statt - auch in den Sommerferien sind Fortsetzungen geplant.